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Herangehensweisen für die Digitalisierung der Immobilienbranche

In unserem REFuture Hauptstadtstudio Interview spricht Aygül Özkan, Geschäftsführerin des zentralen Immobilienausschusses, über die Digitalisierung der Immobilienbranche. Sie betont die Dringlichkeit der Umsetzung neuer Möglichkeiten der Blockchain Technologien, um der deutschen Wirtschaft zu Erfolg verhelfen, welche Rahmenbedingungen wünschenswert sind, um Start-ups, Fintechs und Proptechs zu unterstützen. Auch die Energiesicherheit wird angesprochen, und wieso das digitale Grundbuch für die Immobilienbranche ein essenzieller Schritt sein wird.

Angesprochene Themen:

  • Digitalisierung/Tokenisierung der Immobilienbranche 
  • digitales Grundbuch
  • Entwicklung während Rezessionsängsten und Deindustrialisierung
  • Finanzierungsrahmen, Start-up Strategie, Energiesicherheit 
  • Investitionsbereitschaft von Unternehmen 
  • Deutschland als attraktiver Standort für Technologie- und Finanzunternehmen

Die Blockchain bietet uns eine sichere, schnellere und kostengünstige Möglichkeit an, Vermögenswerte zu übertragen. Das elektronische Wertpapiergesetz in Deutschland, welches ja das fortschrittlichste weltweit ist, bietet dazu einen recht sicheren Raum für Emittenten, also den Herausgebern von Wertpapieren und Investoren. Schon jetzt ist es technisch möglich, elektronische Wertpapiere innerhalb von Sekunden rechtssicher zu übertragen. Meine Frage an Sie: Was sind denn Forderungen des zentralen Immobilienausschusses und welche Herausforderungen erwarten uns da?

Die Digitalisierung der Sachwerte-Branche ist essenziell wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir glauben sehr an diese Zukunft. Wir brauchen es aber schneller, wir müssen schneller vorankommen. Insofern unterstützen wir das als Ziel sehr. Wir müssen sehr genau schauen, wo die Technologieunternehmen, Start-ups, und Fintechs hingehen und wie wettbewerbsfähig Deutschland dabei bleibt. Wie ist zum Beispiel in der Immobilienbranche der Blick drauf? Wir haben eine ganz bunte Palette von Proptechs (Property Technologieunternehmen), die sich wie die Fintechs auf die Herausforderungen der Zukunft stürzen. Eine gute Basis und ein guter Standort sind da von enormer Bedeutung, weshalb wir natürlich für die Themen dieser Branche einstehen. Ein ganz wichtiges Thema ist das digitale Grundbuch, welches auch kein Hexenwerk wäre einzuführen. Für die Grundbücher sind die Länder zuständig, 16 Bundesländer, 16 verschiedene Herangehensweisen, teilweise auch unterschiedliche Herangehensweisen der Kommunen selbst. Das heißt, da braucht es Standards, da braucht es auch eine Initialzündung bzw. auch ein Treiben vom Bundesjustizministerium. Das würden wir gerne vorantreiben in den nächsten zwei, drei Jahren, da es sozusagen das Drehkreuz für all die Themen ist, die wir dann behandeln.

Wir erleben im Moment eine Entwicklung, eine Krisensituation, die wir so in den letzten 40, 50 Jahren in der Kombination nicht erlebt haben. Rezessionsängste, Deindustrialisierung, aber auch die Globalisierung. Kapitalströme verändern sich, Investitionen werden zurückgehalten oder auch Kapital wird abgezogen. Das ist natürlich für kapitalintensive Technologieunternehmen und Start-ups eine ganz schwierige Situation. Deswegen erwarten wir von der Bundesregierung, dass sie den Finanzierungsrahmen, die Finanzierungsunterstützung und die Rahmenbedingungen gerade für diese Start-ups und Technologieunternehmen, absichert und auch die Rahmenbedingungen so schafft, dass die Finanzierung noch möglich sein wird und diese Unternehmen hier gehalten werden. Natürlich haben wir eine globale wirtschaftliche Rezession, das heißt, wir sind zwar auch im Wettbewerb mit anderen Ländern, aber diese Wettbewerbsvorteile werden sich jetzt zeigen, ob ein Unternehmen woanders hingeht, aufgekauft wird, vielleicht in die USA geht.  Deutschland muss da sehr genau drauf achten, vor allem die Bundesregierung, damit Investitionen in solche Unternehmen noch möglich ist. Finanzierungsrahmen, Energiesicherheit, aber eben auch mit der Start-up Strategie, mit der Zukunftsfinanzierungsgesetz Strategie wirklich den Rahmen zu bilden und die Grundlage zu bilden, damit die Unternehmen auch hier in Deutschland weiter bleiben.

Die Strategien haben Sie jetzt gerade aufgezeigt. Also es klingt sehr optimistisch, also für die nächste Zeit. Sie haben sogar einen Zeitrahmen gebildet, von 2 bis 3 Jahren.

Na ja, in zwei bis drei Jahren wird sich schon zeigen, was in Deutschland und generell Europa passieren wird. Wenn ich mir aus der Immobilienbranche die Stimmen anhöre, wenn ich mit den Akteuren rede, egal in welche Assetklasse man guckt, es ist eine große Zurückhaltung, was jetzt im Moment die Investitionen angeht. Investitionen werden nicht getätigt, Investoren lenken ihre Mittel woanders rein, weshalb  zwei, drei Jahre elementar wichtig sein werden. Ich erwarte nicht, dass der Staat für alles ein Hilfsprogramm auflegt und noch mehr Pakete schnürt. Aber die Rahmenbedingungen müssen schon richtig sein. Und ich denke, dass das Finanzministerium das sehr gut erkannt hat. Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Toncar hat deutlich gemacht, dass wir jetzt die Weichen richtig stellen müssen, damit aus einem Euro wieder mehr wird.

Das elektronische Wertpapiergesetz in Deutschland ist das fortschrittlichste, ja weltweit. Wie können wir denn jetzt diesen Vorsprung nutzen gegenüber anderen Ländern?

Indem wir intensiv dran bleiben, die Digitalisierung vorantreiben. Ich kann das ja aus der Immobilienwirtschaft noch mal betonen: Als ich in die Branche hereinkam und mir das angeguckt habe, fand ich die Umsetzung ziemlich träge.

Wie Dinosaurier, digital fern?

Das will ich gar nicht so sagen. Es gibt auch noch andere Branchen. Aber die Frage ist ja, wie schnell geht man voran? Wir bringen als ZIA, gemeinsam mit EY jedes Jahr eine Digitalisierungsstudie heraus. Das ist jetzt die Siebte, die gerade aktuell erschienen ist. Und wir messen, weil wir die gleichen Fragen stellen, die Entwicklung in der Branche. Und das stimmt mich sehr positiv, dass trotz Coronakrise die Unternehmen in dem letzten einem Jahr ihre Investitionsbereitschaft und das, was sie hereinstecken, doch ernst meinen. Wir messen immer, wie viele Unternehmen mehr als 5 % ihres Umsatzes in Digitalisierung stecken. Dieser Anteil hat sich verdoppelt. Wir sind bei 35 %, die mehr als 5 % ihres Umsatzes in Digitalisierung stecken. Das ist sehr erfreulich und soll genau so weitergehen. Das heißt, die, die die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Digitalisierung tatsächlich funktioniert, ‘Digital Finance’ funktioniert. Die müssen auch dranbleiben. Und das wäre unser Appell.

Sie sagen Digitalisierung trotz Corona, war es nicht wegen Corona?

Glauben kann man das immer. Aber wenn man den Euro nur einmal ausgeben kann und ihn dreimal umdreht und überlegt, worauf man sich fokussieren muss, dann kann es auch anders kommen. Wir propagieren das. Das sind auch immer unsere Reden. Aber der Markt entscheidet und der Unternehmer entscheidet. Deswegen war das so spannend zu sehen, ob es tatsächlich so passiert ist. Und da es passiert,  stimmt mich das  sehr positiv.

Die Studien, die Sie ja erstellen und erstellen lassen, jedenfalls, wie kommt man daran? Die einzelnen Unternehmen können einfach Abfragen bei ihnen anstellen?

Wir sind da sehr transparent, sehr nutzerfreundlich. Sie können auf unsere Homepage gehen, sich die richtige Studie heraussuchen und auch gerne downloaden, es ist alles einsehbar.

Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft, die weiter ist als in zwei, drei Jahren? Wir können ja vielleicht mal größeren Schritt machen. Wo sollten wir in zehn Jahren sein?

Wir müssen in zehn Jahren auf unserem Dekarbonisierung-Pfad sehr weit vorangeschritten sein. Wir haben ja für 2030 und 2045 Ziele. 2045 soll die Immobilienbranche CO2-neutral sein. Heute stößt sie noch ungefähr 30 40 % des  gesamten CO₂ Ausstoßes aus. Deshalb ist die der Fahrt absolut klar. Das muss auf einem wirtschaftlich machbaren und technologieoffenen Weg passieren. Und das ist das, was wir vorantreiben. Wir wollen Technologieoffenheit. Wir wollen in der Energieabsicherung, autarke Energiequellen für die Immobilien fostern. Und wir müssen mit digitalen Nutzungen, Prozessen, den Fachkräfte und Arbeitskräftemangel überwinden können.

Also Digitalisierung im Einklang mit Nachhaltigkeit?

Absolut. Serielles Bauen, serielles Modernisieren, Sanieren muss STANDARD werden.

Vielen Dank! Aygül Özkan im REFuture Hauptstadtstudio — Investieren mit Zukunft.

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